HEIZUNG/LÜFTUNG/ELEKTRIZITÄT Energietechnik im Gebäude     BAU & ENERGIE

4.3 Wahl Wärmeabgabesystem

Kapitel: 04 Wärmeabgabe

Ausgewählte Firmen der Wärmeabgabe

4.1 Heizkörper
4.2 Fussbodenheizung
4.3 Wahl Wärmeabgabesystem

Bei energiebewusst konzipierten Gebäuden kann der relativ kleine Wärmeleistungsbedarf mit beliebigen Wärmeabgabesystemen erbracht werden: Heiz­­kör­per, Fussboden-, Wand- oder Deckenheizung, in die Betonkonstruktion eingebettete Systeme, Warmluftheizung sowie verschiedene Kombinationen davon. Dieselben Systeme sind, in unterschiedlichem Mass, auch für Kühlzwecke geeignet.

Heizkörper

werden mit einer Vorlauftemperatur bis maximal 50 °C ausgelegt [SIA 384/1]. Zur Erhöhung der Wärmeleistung – insbesondere bei Vorlauftemperaturen um 35 °C – können mit Gebläsen unterstützte Konvektoren eingesetzt werden. Heizkörper sind geeignet, um Komfortprobleme bei hohen Fenstern zu vermindern.

Fussbodenheizungen

werden mit einer Vorlauftemperatur bis maximal 35 °C ausgelegt [SIA 384/1]. Eine solche oder noch tiefere Vorlauftemperatur bedingt einen Bodenbelag mit einem Belagswiderstand, welcher denjenigen von 10 mm Parkett möglichst nicht übersteigt. Un­gün­stig ist die grosse Trägheit der üblichen Fussbodenheizung, welche beim Anfall freier Wärme oft zum Überheizen führt (Bild 4.12). Aber auch die flink­sten Fussbodenheizungen sind trä­ger als alle Heiz­kör­per. Bei Bürobauten und Schulhäusern sollte wegen der grossen Wärmeeinträge keine Fussbodenheizung vorgesehen werden. Ein automatischer Sonnenschutz verhindert die grossen, plötzlich auftretenden solaren Einträge.

Kombinierte Fussboden-/Heizkörperheizungen

kön­nen auf verschiedene Weise realisiert werden:

  • Separate Heizgruppen für FBH und Heizkörper sind recht aufwendig und deshalb eher in grösseren Anlagen anwendbar. Das System erlaubt verschiedene Vorlauftemperaturen, sofern dies hinsichtlich Wärmeerzeugung sinnvoll ist.
  • Heizkörper im Vorlauf der FBH sind oft zweckmässig, wenn mit einer FBH allein der Heizleistungsbedarf nicht gedeckt werden kann.
  • Heizkörper und FBH parallel geschaltet sind seltener sinnvoll, da die mittlere Temperatur des Heizkörpers kaum höher sein kann als diejenige der FBH.
Wand- und Deckenheizungen

weisen eine etwas geringere Leistung auf als eine entsprechende Fussbodenheizung. Manchmal erlauben diese eine zweckmässige Erweiterung einer Fussbodenheizung in einem Badezimmer, in welchem die Heizleistung sonst nicht genügt; umso mehr als Elektro-Heizkörper nicht mehr zur Deckung des Heizwärmebedarfs beigezogen werden dürfen [SIA 384/1].

Betonkern-Aktivierung

Dieses Wärmeabgabe- und -aufnahmesystem wird auch als thermoaktives Bauteilsystem (Tabs) be­zeichnet [Kos]. Es kommt vorzugsweise für Gebäude infrage, die nebst Heizung auch Kühlung benötigen (Büro, Messe). Der Aufbau ist derjenige einer Fuss­bodenheizung, die Rohre werden jedoch im Beton verlegt. Sie werden oft in der Mitte eingebaut, zuweilen auch nahe der Ober- oder Unterkante der Decke. Das Tabs heizt bzw. kühlt sowohl den darüber als auch den darunter liegenden Raum. Infolge der grossen Speicherwirkung der Betonbauteile können Leistungsspitzen vermieden werden. Eine Be­einflussung der Raumtemperatur ist aber aus dem­selben Grund kurzfristig nicht möglich. Der Raumtemperaturverlauf hängt fast ausschliesslich vom Selbstregeleffekt ab. Besonders wichtig sind deshalb nicht zu stark von der Soll-Raumtemperatur abweichende Vorlauftemperaturen:

  • im Heizfall max. 30 °C.
  • im Kühlfall min. 17 °C. Die hohe Kühlmediumtemperatur erlaubt, passiv zu kühlen.

Voraussetzungen für das Funktionieren des Tabs-Konzepts sind:

  • sehr gute Wärmedämmung und Sonnenschutz,
  • möglichst keine heruntergehängten Decken und Doppelböden,
  • keine Wärmedämmungen im Bodenaufbau (Trittschalldämmung mit geringem Wärmedurchlass­widerstand),
  • ein Steuer- und Regelkonzept, das der Jahreszeit und den abweichenden Bedingungen in verschiedenen Räumen Rechnung trägt.